Mit dem Clariden habe ich seit 10 Jahren eine Rechnung offen: Damals bestiegen wir den Berg mit der ganzen Familie vom Klausenpass aus im Sommer. Nachdem ich schon am Iswändli fast in die Hose gemacht hatte, war auf dem Vorgipfel endgültig Schluss mit meinem 'Mut'. Heute, 10 Jahre später, durfte ich diesen tollen Gipfel endlich noch ganz besteigen.
Eine Tagestour vom Klausenpass bedingt ein frühes Starten. Deshalb fahre ich schon am Vorabend mit dem Auto ins Säuliamt und übernachte irgendwo in einem Waldstück. Am nächsten Morgen kann ich früh starten und Tourenkollege Matthias an seinem Wohnort in der Innerschweiz abholen. Durchs verschlafene Schächental fahren wir auf den Klausenpass, wo sich bereits einige andere Tourengänger aus ihren Schlafsäcken schälen und sich abmarschbereit machen. Auf der Passhöhe liegt kein Schnee mehr, sodass wir die Skis erst einmal einige Zeit buckeln müssen, als wir um 4.15 Uhr starten. Wir steigen die klassische Route am Rau Stöckli vorbei in Richtung Iswändli hoch. Über dem Glarnerland kündigt sich ein toller Tag an.
Bei Touren mit Matthias - so war es bisher meistens - ist jeweils einer von uns beiden nicht fit. Bei mir wars am
Allalinhorn, als ich auf den letzten paar Höhenmeter Bleifüsse hatte. Diesmal ists Matthias nicht so wohl - ob's vielleicht an meinem Fahrstil mit dem Auto liegt?
Matthias beisst sich jedoch tapfer durch. Das Iswändli ist zu dieser Jahreszeit einfach zu begehen - kein Vergleich zu dieser ausgeaperten Eiswand von vor 10 Jahren ;-) Über den flachen Gletscher steigen wir an den Fuss des Vorgipfels, wo wir die Skis deponieren und die Steigeisen montieren. Vom Vorgipfel geht's einige Meter runter, dann rüber zum Einstieg zum eigentlichen Gipfel, der mit Ketten versichert ist. So halten sich die Kletterschwierigkeiten in Grenzen. Ausgesetzt ist es aber schon etwas - und das ist das, was mir jeweils am meisten Probleme bereitet.
Nach der Kletterstelle ist es nicht mehr weit zum Gipfel, wo wir das schöne Wetter und die Rundsicht geniessen. Und auch den Nordwandgängern zuschauen, die aus dem tiefen Abgrund emporkraxeln.
Der Abstieg zurück zum Skidepot nehmen wir auf demselben weg vor. Jetzt heisst es, die Skis anzuschnallen und die letzten Abfahrtsmeter der Saison zu geniessen. Es herrschen schöne Frühlingsverhältnisse vor.
Irgendwann endet die Schneedecke und wir binden die Skis wieder auf den Rucksack. Als wir nach halbstündigem Fussmarsch am Klausenpass ankommen, werden wir schon etwas schräg angeschaut, zwischen den Velofahrern in kurzen Hosen und T-Shirt. Die Frage, ob wir denn noch Schnee gefunden hätten, können wir mit breitem Grinsen bejahen :-)
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